„Mit dem Tod will sich doch niemand freiwillig auseinandersetzen…“, eine Erfahrung, die Pastor Florian Schwarz oft gemacht hat im Vorfeld von Trauergesprächen. Aber auch das Gegenteil ist ihm begegnet. Und er bringt es auf eine einfache Formel: „Es scheint, dass die, die sich mit dem Tod auseinandergesetzt haben, es leichter haben in ihren letzten Stunden“.
Eine Möglichkeit sich mit dem Tod auseinanderzusetzen bringt der Theologe am Montag dem 3. August nach Mariendrebber. Zusammen mit dem argentinischen Musiker Nando Rodriguez hat er einen Kulturgottesdienst vorbereitet, mit Liedern aus dem „Club 27“.
Der Club 27 ist einer der großen Mythen der Rockmusik. Auffallend viele der großen Rockmusiker sind im Alter von 27 Jahren gestorben – und die Mär geht, dass sie im Himmel weiter zusammen Musik machen. Janis Joplin, Jimi Hendrix, Kurt Cobain und als neuestes Mitglied: Amy Whinehouse. Und eben diese „himmlischen Klänge“ werden am 3. August um 19.00 Uhr in der Marienkirche zu hören sein.
„Die weltliche Vorstellung davon, wie es wohl im Himmel aussieht, hat mich gereizt“, begründet Pastor Florian Schwarz die Wahl des Themas, "denn die Bibel bleibt da in bloßen Andeutungen. Der einzige der je zurückgekommen ist vom Himmel auf die Erde, hat nichts darüber berichtet. Aber die Neugier ist da“, so Schwarz, „die Neugier und eine ganz große Sehnsucht danach, dass es überhaupt ein danach gibt“.
Ernst zu nehmen, dass diese Sehnsucht und Neugier auch außerhalb der Kirche vorhanden ist, ist Konzept der Kulturgottesdienste, die monatlich in Hoya gehalten werden und auch immer wieder Gastspiele an anderen Orten geben. Gäste aus der Kultur zeigen ihre Form von Sinnstiftung und Fragen und treten in einen Dialog mit der christlichen Überlieferung. „Dabei gibt es oft verblüffende Übereinstimmungen, manchmal aber muss man eine Verschiedenartigkeit in Kauf nehmen“, weiß Schwarz von den Kulturgottesdiensten, die er seit 18 Jahren niedersachsenweit veranstaltet hat. Das Ganze soll aber auch Spaß machen und so legt er großen Wert auf kulturelle Vielfalt: Puppentheater, Stummfilm mit Orgelbegleitung, das Polizeiorchester und selbst Pyrotechniker waren bislang zu bestaunen.
Der musikalische Gast diesmal ist ein wahres Multitalent. Kennengelernt hat er den Pastor als er als Circusmusiker für dessen Schwester engagiert war. Seitdem arbeiten die beiden immer wieder zusammen. Ob mit Tango, Stummfilmbegleitung oder eben mit Rock´n´Roll begleitete Nando die Gottesdienstreihe, die sich vor allem an Menschen richtet, die Sonntagsmorgens eher nicht in die Kirche gehen oder dem Glauben kritisch gegenüber stehen. „Die Fragen an das Leben sind bei denen aber die gleichen, wie beim kirchlichen Stammpublikum“, weiß der Theologe, „Und auch deren Antworten sind anders formuliert. Wenn wir da einen Dialog hinbekommen zwischen weltlichen und kirchlichem Sinnangebot, entsteht spannendes“.
Und so gibt es an Stelle eines Orgelvorspiels Come as you are von Nirvana, statt der Gemeindegesänge Songs von den Doors, Janis Joplin und den Rolling Stones.
„Wenn die Bibel schon nicht verrät, wie es im Himmel genau aussieht, dann können wir wenigstens zeigen, wie es sich dort anhört“, freuen sich Musiker und Pastor auf ihr Gastspiel in Mariendrebber.